Schön, dass du wieder hier bist! Ich freue mich, mit dir in diesem Artikel ein bisschen tiefer in die Thematik des Belohnens einzutauchen.
Mach’s dir gemütlich und komm mit in die spannende Welt der Verstärker! Viel Spaß beim Lesen! 😊

Auf der Unterseite Wie wir trainieren findest du die vier Quadranten der operanten Konditionierung abgebildet.
Folgt nach einem Verhalten eine angenehme Konsequenz, wird dies als positive Verstärkung bezeichnet.
Verstärkung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Verhalten zukünftig häufiger, schneller und/oder intensiver auftreten wird.
In diesem Blogbeitrag lernst du das Markersignal (Clicker oder Markerwort) kennen, welches ein sogenannter sekundärer Verstärker ist.
Hmm… sekundär? Dies mag dir erstmal verwirrend vorkommen. Das Markersignal ist der sekundäre Verstärker und das darauffolgende Leckerli ist der primäre Verstärker. Der sekundäre Verstärker kommt in der zeitlichen Abfolge VOR dem primären Verstärker. Wenn du die Begriffe sekundär und primär nicht zeitlich betrachtest, sondern von der Wertung der Belohnung ausgehst, machen diese beiden Begriffe auf einmal Sinn.
Das Markersignal stellt nicht die wirkliche Belohnung für deinen Hund dar. Es kündigt die echte, also primäre, Belohnung nur an.
Lass uns mal schauen, wie primäre Verstärker aussehen könnten und was man beachten sollte.
Erst, wenn wir mit einer Belohnung auch wirklich ein aktuelles Bedürfnis des Hundes erfüllen, wird diese Belohnung zum Verhaltensverstärker.
Wir dröseln das mal auf. Dein Hund empfindet es als angenehm, wenn du ihn abends auf dem Sofa streichelst. Das kann im entspannten Zustand auch gerne mal ein Kraulen auf seinem Kopf sein. Wenn ihr jedoch draußen seid und dein Hund zu dir gerannt kommt, kann die schnelle Annäherung deiner Hand von oben und das darauffolgende Betatschen seines Kopfes ganz schön unangenehm für ihn sein.
Dem Verhalten (das Zurückkommen zu dir) folgt also etwas Unangenehmes (Betatschen auf dem Kopf), was bedeutet, dass das Verhalten zukünftig seltener auftreten wird. Was du als Belohnung angesehen hast, empfindet dein Hund, ja, man kann es lernpsychologisch so ausdrücken, als Strafe.
Du hast also am Ausdrucksverhalten deines Hundes (Ausweichen, Ohren nach hinten, Kopf abducken) erkannt, dass das oben beschriebene Beispiel keine gute Belohnungsstrategie für einen Rückruf ist. Du stattest dich nun also mit dem Lieblingsfutter deines Hundes aus und ihr startet eure Gassirunde. Es ist ein warmer Sommertag und dein Hund hatte Spaß an einem Rennspiel mit einem anderen Hund.
Er hat super gut auf deinen Rückruf reagiert und steht nun hechelnd mit langer Zunge vor dir. Du bietest ihm als Belohnung seine geliebten Käsestückchen an, bemerkst jedoch, dass er sie nur zögerlich annimmt. Käse ist ein bisschen salzig und dein Hund empfindet das Essen von Käse in dem Moment nicht als eine echte Belohnung.
Im Herbst hingegen kann der Käse bei deinem Hund gut ankommen. Du setzt ihn wieder als Belohnung für den Rückruf aus einem Spiel mit Artgenossen ein, und dein Hund nimmt den Käse gerne an.
Aber hast du das Verhalten „Ich laufe auf Signal schnell zu meinem Menschen“ auch wirklich verstärkt?
Dein Hund hat den Käse gerne angenommen, aber hatte er in diesem Moment auch das vorrangige Bedürfnis zu essen? Oder doch eher zu spielen? Vielleicht wäre nach diesem Rückruf auch ein Zergelspiel ein passender Verstärker gewesen. Dein Hund erfährt, dass der Abruf aus dem tollen Spiel mit dem anderen Hund nicht das Ende von Action und Spaß bedeutet, sondern dass er weiter Spaß mit seinem Menschen haben kann.
Um die richtige Belohnung zu finden, und somit Verhalten auch wirklich zu verstärken, solltest du die Bedürfnisse deines Hundes und auch sein Erregungslevel in der jeweiligen Situation berücksichtigen.
Bei Belohnungen denkt man oft erstmal an Futter, Leckerli oder Spielzeug (Bälle, Dummys, Zergel, etc.).
Richte bitte zunächst einmal deinen Fokus weg von dem Gegenstand an sich und denke über das Verhalten nach, welches mit dem Belohnungs-Gegenstand in Verbindung steht.
Betrachte nicht das Futter als den primären Verstärker, sondern das Riechen, Schmecken, Kauen, Sattwerden. Der Ball an sich ist nicht der primäre Verstärker, sondern das Hinterherlaufen, das Apportieren und die gemeinsame Interaktion mit dir. Andere Hunde hingegen finden es vielleicht toll, wenn sie auf ihrem Lieblingsball einfach nur rumknautschen dürfen.
Dies hilft dir, mit Belohnungen etwas kreativer umzugehen und deinen Hund in seinem aktuellen Erregungslevel abzuholen.
Beim Training mit Hunden, die nicht so auf Spielzeug versessen sind, kann man das auch gut über Futter aufbauen. Statt ein Leckerli nach einem gelungenen Rückruf direkt vor der Nase anzubieten, könntest du die Futterstückchen ein paar Mal werfen, damit dein Hund hinterherjagen kann. Im nächsten Schritt kullerst du sie nur noch weg und danach, wenn dein Hund in seiner Erregung etwas runtergekommen ist, kannst du ihm das Leckerli direkt anbieten.
Suchst du nach einer passenden Belohnung für deinen jagdlich ambitionierten Hund?

Schnapp dir ein paar Brötchen- oder Sandwichtüten aus Papier, befülle sie mit köstlichen Futterstückchen und knüll sie zusammen.
Diese kleinen Pakete passen prima in deine Jackentasche oder Bauchtasche und sind somit einfach mitzunehmen auf eurer Runde im Wald.
Nachdem du dein Rückruf-Signal gegeben hast und dein Hund zügig zu dir gerannt kommt, wirfst du eine zerknüllte Leckerli-Tüte von deinem Hund weg.
Dein Hund darf sofort hinterherjagen und wird einen großen Spaß daran haben, die Papiertüte aufzureißen und seine „Beute“ zu vertilgen. 😊
Dass du die Papierfetzen wieder aufsammelst und mitnimmst, versteht sich natürlich von selbst.
Du solltest deinen Rückruf nicht permanent einsetzen. Das „Hier" oder dein Pfeifen sollten besondere Signale bleiben, damit sie sich nicht abnutzen und auch in schwierigen Situationen funktionieren. Beim ständigen Gebrauch würde dein Hund lernen, dass er nur fortlaufen muss, damit er zurückgerufen wird und anschließend seine Belohnung bekommt.
Es ist also sehr praktisch, wenn du dir neben deinem Rückruf noch weitere Strategien überlegst. Du könntest z.B. an der Orientierung an dir arbeiten, indem du die freiwilligen Blicke deines Hundes zu dir markerst und belohnst. Du kannst deinen Hund auch während einer Wanderung im Wald regelmäßig belohnen, wenn er schön auf den Wegen bleibt. Du bietest deinem Hund somit eine attraktive Alternative zu unerwünschten Ausflügen ins Unterholz.
Neben den aktuellen Bedürfnissen deines Hundes und seiner Erregung ist die Wahl des richtigen Verstärkers auch abhängig davon, wie wichtig dir selbst ein gezeigtes Verhalten ist und wie „teuer“ es ist.
Was meine ich damit?
Der Rückruf ist ein sehr wichtiges Verhalten. Plus: es kann auch sehr teuer sein.
Wenn ein Signal so wichtig ist, dass es Leben retten kann und gleichzeitig aber auch in Konkurrenz steht mit vielen anderen attraktiven Dingen (Spiel mit Artgenossen, Sichtung von Wild, etc.), dann ist es wichtig und teuer. Das bedeutet, dass wir es IMMER, ein HUNDELEBEN LANG belohnen und zwar GROßZÜGIG 😊.
Ein anderes wichtiges Verhalten ist das Ausgeben von Unrat oder Essensresten am Wegesrand. Das Signal „Aus“ ist wichtig, da es beispielsweise Vergiftungen und Krankheiten vermeidet und es ist unter Umständen auch teuer, da wir gegen halb aufgegessene Wurstbrote, Kekse, etc. konkurrieren.
Beim Aufbau von wichtigen Signalen kommt es darauf an, dass wir im Training sehr vielseitige und bedürfnisorientierte Belohnungen einsetzen.
Wenn du z.B. deinen Hund aus einer Hundegruppe abrufen möchtest, kannst du oft nicht wissen, was genau in dem Moment das Bedürfnis deines Hundes ist. Vielleicht wollte er sowieso gerade aufhören zu spielen, als er das Signal „Hier“ gehört hat und ein Zergelspiel mit dir wäre dann gar nicht so passend als Verstärker.
Vielleicht hat er Hunger nach so einem anstrengenden Spiel mit Artgenossen; in dem Fall wären Leckerli ein toller Verstärker.
Und weil du eigentlich immer nur abschätzen kannst, was deinem Hund gerade als Belohnung gefallen könnte, ist es praktisch, wenn du wichtiges Verhalten im Training sehr vielseitig belohnst.
Dein Hund macht beim Signal „Hier“ blitzschnell eine Kosten-Nutzen-Rechnung.
Mit einer vielseitigen Verstärkungsgeschichte vermeidest du, dass dein Hund zu folgendem Ergebnis kommt: „Dafür gab es immer nur ein Stück Trockenfutter, da spiele ich jetzt doch lieber mit Luna und Rex weiter!“
Und selbst wenn du dann in Alltagssituation gerade nicht DEN richtigen Verstärker dabei hast, ist das nicht schlimm. Du hast ja durch dein Training eine solide Verstärkungsgeschichte aufgebaut. In solchen Momenten belohnst du deinen Hund mit dem, was du bei dir hast.
Du merkst dir einfach, dass du deinen Hund für einen super prompten, blitzschnellen Rückruf nur mit Trockenfutter belohnt hast und machst zuhaue nochmal ein paar Wiederholungen mit der Futtertube oder anderen tollen Verstärkern. So gleichst du die Kosten-Nutzen-Rechnung wieder zu deinem Vorteil aus.
Ich hoffe, du konntest ein paar praktische und hilfreiche Anregungen mitnehmen! 😊
Zum Schluss noch ein paar Tipps zur Belohnung mit Futter:
Leckerli, Schlecktube & Co., die zur Belohnung oder auch für Suchspiele, Intelligenzspiele und Beschäftigung eingesetzt werden, solltest du bei der täglichen Ration des normalen Futters berücksichtigen und die Menge entsprechend anpassen.
Praktisch ist es, wenn du einen Teil des normalen Futters für das Training verwenden kannst. So bekommt dein Hund alle wichtigen Nährstoffe, die in Leckerli nicht ausreichend vorhanden sind.
Du kannst Trockenfutter z.B. mithilfe von Käse aufwerten. Du knapst einfach einen Teil der täglichen Trockenfutter-Ration ab und füllst sie zusammen mit ein paar „duftenden“ Käsestückchen in eine Frischhaltebox. Das Trockenfutter nimmt den Käsegeruch an und wird somit gleich ein weinig interessanter für deinen Hund.
Nassfutter lässt sich mithilfe von befüllbaren Belohnungstuben super im Training verwenden.
Oder wenn du barfst, kannst du einen Teil der Mahlzeit pürieren und auch in eine Futtertube füllen.